Samstag, 19. November 2011

Schäuble unzensiert : Trailer 2011

Wolfgang Schäuble auf dem European Banking Congress 2011. In seiner Rede gab Herr Schäuble ein Stelldichein, dass die Ohren wackelten. So gut wie nichts davon wird in den Medien gesendet werden. IKNews war mit einer Kamera vor Ort und stellte auch selbst noch eine wirklich wichtige Frage. Das Video mit einer kurzen Analyse wird in Kürze online sein.



Stronach in Graz: "Missgeburt Euro wird sich selbst eliminieren"
Der Gründer des Magna- Konzerns, Frank Stronach, hat bei einem Vortrag für die Grazer Uni mit seinen Äußerungen zur europäischen Gemeinschaftswährung für Aufregung gesorgt. "Der Euro ist eine Missgeburt", die sich schon bald selbst eliminieren würde, meinte der Austro- Kanadier vor den Studenten. Aber auch die österreichischen Politiker bekamen vom 79- Jährigen ihr Fett ab.
Heimische Institute brauchen doppelt so viel wie bisher prognostiziert: Deutschen Banken droht neues Milliardenloch

Update: 20.11.2011
Auch dieses Video muss man einfach gesehen haben, Infokriegernews haben Aufnahmen inclusive Kommentare von der Rede von Dr. Wolfgang Schäube auf dem European Banking Kongress gemacht.

Dr Schäuble : Die Fiskalunion kommt binnen 24 Monaten


Minister Schäuble präzisiert seine Vorhaben:
“Ich möchte Ihnen ganz klar sagen, daß ich ziemlich überzeugt bin, daß wir in einer Zeit von weniger als 24 Monaten in der Lage sind und in der Lage sein werden, das europäische Regelwerk so zu verändern. Wir brauchen nur das Protokoll Numero 14, wer´s nachlasen.. äh nachlesen möchte, im Allgemeinen, im Lissabon-Vertrag, so aufzubauen, daß wir die Grundzüge einer Fiskalunion für die Eurozone schaffen.”
Es lohnt sich, hier etwas genauer hin zuschauen, wenn man verstehen will, was da eigentlich vor sich geht. Minister Schäuble stellt hier den Bestand der Bundesrepublik Deutschland, die Gewaltenteilung und das nach Artikel 25 Grundgesetz allgemeinen Regeln des Völkerrechtes als Bestandteil des Bundesrechtes in Frage.

Wo ist eigentlich der Verfassungsschutz wenn man ihn mal braucht?

Degenhart: „Weitere EU-Integration ist mit der Verfassung nicht vereinbar“
Es darf beispielsweise keine Vergemeinschaftung von Schulden geben, der Bundestag muss weiterhin souverän über die wesentlichen Einnahmen und Ausgaben des Staates entscheiden können, die Finanz-, Währungs- und Steuerpolitik muss weiterhin Sache der Mitgliedstaaten, muss Sache des Bundestages bleiben. Eine Aufgabe von Souveränitätsrechten, die all diese Rechte entziehen würde, wäre auch über den Weg der Verfassungsänderung nicht mehr möglich.
GG der Artikel 21 legt fest, welche Parteien als verfassungswidrig zu nennen sind, also solche, welche den Bestand der BRD in Frage stellen.

Wenn alles Erlaubte keine Abhilfe bietet, muss die Lösung zwangsläufig im Verbotenen liegen.

Quellen: deutsche-mittelstands-nachrichten.de - radio-utopie.de - infokriegernews.de - ftd.de - krone.at

Freitag, 18. November 2011

Wenn das begriffen würde


Von Daniel Neun | 18.November 2011

Wie der Frankfurter Euro-Diktator EZB die europäischen Demokratien durch Hoch- und Runterfahren seines SMP-Anleihenkaufprogramms erpressen, zerstören oder retten kann.

Während der Premierminister von Großbritannien, David Cameron, in Berlin zu Besuch ist und der Finanzminister von Deutschland in einem für ihn so typischen Akt von Surrealismus vor dem Ende des britischen Pfund warnt (1), spielt sich der eigentliche Machtkampf um den Erhalt der europäischen Demokratien mit Euro-Währungssystem in der Frankfurter Zentralbank EZB ab.

Diesen Machtkampf hat bisher kaum jemand verstanden. Zeit, dies noch einmal zu erklären. (Cäsar Trichet, Epaminondas Wulff und das “Securities Markets Programme” (SMP) der EZB, 25.August)

Durch das SMP-Programm, welches die EZB erst unmittelbar nach der unter ihrer Mithilfe durch “Internationalen Währungsfonds” IWF, die EU-Kommission und Berliner Regierung am 7.Mai 2010 vom deutschen Parlament erpressten ersten “Hilfe” für Griechenland-Gläubiger in Höhe von 22.4 Milliarden Euro startete, werden jede Woche Anleihen von Staaten innerhalb der Euro-Zone aufgekauft.

Die Geldmenge, welche sie für den Ankauf dieser Staatsanleihen benötigt, erfindet sie aus dem Nichts. Sie “schöpft” sie. Sie druckt Geld, was die EZB als unabhängiger Währungs-Diktator und Herrscher über die eigene Währungszone jederzeit tun kann.

Gleichzeitig “sterilisiert” aber der Euro-Diktator die gleiche Geldmenge, den er für den Ankauf der Staatsanleihen geschaffen hat, indem er wöchentliche Tender ausgibt. Durch diese Tender legen die Banken die gleiche Geldmenge in der EZB an, welche vorher durch den Staatsanleihenkauf geschaffen wurde.

“Geldpolitische” Kurzfassung des Vorgangs: EZB druckt Geld, gibt diese an die Staaten aus und entzieht diese Geldmenge wieder dem Geldkreislauf.

Der Währungs-Diktator macht bei diesem Prozess nicht etwa Verlust. Die EZB verschenkt hier nichts. Sie kassiert, im Gegenteil, kräftig Zinsen aus den Staaten, deren Anleihen sie (über den Umweg des “Sekundärmarktes”) kauft. In der Regel 3-5 Prozent, im Falle Griechenlands natürlich sehr viel mehr. Der allgemein immer wieder genannte Bruchpunkt, ab dem ein Staat längerfristig seine Schulden nicht mehr zurückzahlen kann, liegt bei 7 Prozent.

Für das Geld, was sie dem unabhängigen und unkontrollierten Geldmarkt des Weltkapitalismus durch die wöchentlichen Tender wieder entzieht, zahlt sie den entsprechenden Kapitalisten aber nur 1.5 Prozent Zinsen.

Die Staaten wiederum haben nun Geld, welches sie verwenden können. Durch den Ankauf sinken die Zinsen, welche die Staaten auf den internationalen Geldmärkten des Kapitals für ihre ausgegebenen Schuldtitel zahlen müssen.

Finanzielle Bilanz: Die EZB macht Gewinn, die Staaten im Währungsgebiet müssen weniger Zinsen zahlen.

Nun zu dem Fetisch “Inflationsgefahr” und “Währungsstabilität”, unter dem jeder – ähnlich wie unter Begriffen wie “Bi-Ba-Butzemann” oder “Albtraum” – jeweils das verstehen kann, was er nicht versteht.

In Kürze: da sich beim SMP-Anleihenprogramm die Geldmenge nicht erhöht, weil sie jede Woche wieder eingesammelt (“sterilisiert”) wird, gibt es auch keine “Inflationsgefahr”. Zudem könnte der Euro-Diktator Milliarden und Abermilliarden drucken und es an die Geldmärkte geben, es würde immer noch nichts ändern – weil nichts davon bei den Menschen ankommt.

Solange der Weltkapitalismus, der nie bestimmt, gewählt, festgelegt oder auf Vernunft basierend aufgebaut wurde, sondern sich aus einem seit dem Römischen Imperium über die Jahrhunderte effektiv nie veränderten System der Ausbeutung, des Betruges und der Plünderung selbst geschaffen hat, wird jede einzelne Währungseinheit, die durch Zentralbanken weltweit ausgegeben wird – egal ob Dollar, Yen, Pfund, Euro oder Renminbi / Yuan – niemals tatsächlich ausgegeben. Alles fällt ins Loch der “Börsen”, der Geldmärkte, der Banken und Kapitalgesellschaften. Es gelangt zwar in den Geldkreislauf. Aber nichts gelangt in den Wirtschaftskreislauf. Nichts. Weil es nicht zu den Menschen gelangt.

Dazu noch einmal in Kurzfassung: was ist Inflation? Inflation entsteht, wenn die Menschen mehr Tauschmittel / Geld haben, als es zu tauschen gibt. Alle wollen etwas haben, was knapp ist, die Preise steigen.

Wir wissen, was wir erleben: alle haben immer weniger Geld. Waren sind da, ohne Ende. Aber wer kann sie sich noch leisten?

Die Menschen arbeiten, ohne zu begreifen für wen und wofür und bekommen dafür immer weniger Tauschmittel / Geld. Und an der Spitze der Pyramide hockt eine winzig kleine Gruppe, die den Abfall der Menschheit repräsentiert und sich dabei als deren wahre, übergeordnete Essenz geriert und hat Angst, hat Angst wie noch nie zuvor in ihrer Existenz, daß die Menschen dieser Welt begreifen was vor sich geht und wem sie ihr Leben, ihre Arbeit und ihre Seelen verkaufen.

Kurzfassung: Eine “Inflationsgefahr” durch das SMP-Programm existiert nicht.

Nun versuchen, natürlich im Verbund mit allen anderen Profiteuren des Kapitalismus, explizit der Finanzminister, die Kanzlerin und der Präsident der Bundesbank von Deutschland mit aller Macht zu verhindern, daß dieses SMP-Programm durch die Bevölkerung begriffen wird. Auch jeder einzelne Abgeordnete des Bundestages, der es selbst begreift (also vielleicht zehn bis fünfzehn Personen), versuchen das zu verhindern.

Denn wenn das in Deutschland begriffen würde, welche Möglichkeiten der Frankfurter Euro-Diktator hat, würde niemand mehr in Bundesregierung, Informationsindustrie oder sonstigen Teilen der Nomenklatura mehr so bescheuert wie Stefan Ruhkamp in der “Frankfurter Allgemeine Zeitung” sein und versuchen uns zu verarschen (2).

Wenn das begriffen würde, bekämen Bundesbank, deren vorstehender Garderobenständer Jens Weidmann und der für die Verarmung und Entdemokratisierung weiter Teile Europas mitverantwortliche jetzige EZB-Chefvolkswirt Jörg Asmussen (SPD), von 1996 bis 2011 im Berliner Finanzministerium, augenblicklich einen solchen Heidenschreck, daß sie die Faxen lassen und das SMP-Programm wieder hochfahren, um dieses Gewinsel des erbärmlichsten Hochverräters und würdelosesten kapitalistischen Kriechers, den Europa mit Ausnahme von Tausenden weiteren Heuchlern der “Sozialdemokratischen Partei Europas” je gesehen hat, zu beenden und den Staat der Monarchie Spanien vor dem Gefressenwerden durch das Kapital zu retten (3).

Wenn das begriffen würde, würde jeder Vollidiot und Klingeltontauscher in der Republik sich dafür rechtfertigen müssen, daß er seine Verfassung, das Grundgesetz, nicht vor diesen “Pro-Europäern” in Schutz genommen hat, die dabei sind Europa zu zerstören und auf die diplomatische Ebene von 1900 zu versenken (4), während sie dabei ununterbrochen vor sich hin schwafeln, daß es eben erst alles schlimmer werden muss, bevor es besser werden kann und daß sie im Grunde nur das Gegenteil davon wollen, was sie tun.

Wenn das begriffen würde, durch die Öffentlichkeit in Deutschland, dann würde sie merken, daß auch David Cameron und die britische Boulevardpresse ein schmutziges Spiel spielt, wie jede andere Regierung und Boulevardpresse auch, und daß die “Geldpolitik” des “quantitative easing”der US-Zentralbank Fed in Washington und der Bank of England in London und der Zentralbank in Tokio, etc, auch nichts anderes bedeutet, als immer mehr erfundenes Geld an die “Märkte” auszugeben und nichts davon –nichts – an die Menschen.

Wenn das begriffen würde, würden die Menschen das verlangen, worauf sie bisher nie gekommen sind: nach einer Änderung des Finanzsystems verlangen welches finanzielle Krisen verursacht, anstatt Staatsstreiche gegen die Demokratien zu dulden, welche ein Finanzsystem auch jederzeit ändern könnten.

Wenn das begriffen würde.

Epilog, 15.40 Uhr

Auf der “Euro Finance Week” in Frankfurt begreifen zur Zeit die herrschenden Banker und deren Minister, daß ihnen das Eis unter den Füßen schmilzt. (5)

EZB-Präsident Mario Draghi, sowie der leitende Direktor des internationalen Banker-Kartells IIF und noch amtierende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank AG, Josef Ackermann, drängten beide “die Politik”, also ihre Angestellten in der Regierung Deutschlands, statt einer Umsetzung des SMP-Programms durch die EZB den weiteren Aderlass des Staatsbesitzes von Deutschland zur Begleichung der Gläubigerforderungen gegen europäische Staaten umzusetzen.

Ackermann und Draghi forderten eine rasche Umsetzung der “Beschüsse” des EU-Ratsgipfels zur weiteren Hebelung der luxemburgischen Aktiengesellschaft EFSF. Das aber waren keine Beschlüsse, sondern Vereinbarungen. Beschlüsse über deutschen Staatsbesitz trifft der Deutsche Bundestag. (25.Oktober, Bundestag entscheidet noch einmal nach EU-Gipfel über EFSF-Leitlinien)

EZB-Präsident Draghi heute auf der “Euro Finance Week”:

“Seit die Installierung des EFSF beschlossen wurde, sind eineinhalb Jahre vergangen, seit dem Beschluss, das volle Garantievolumen des EFSF verfügbar zu machen, sind vier Monate vergangen, und seit dem Beschluss, den EFSF zu hebeln, sind vier Wochen vergangen. Wie steht es mit der Umsetzung dieser seit langem getroffenen Entscheidungen?”

Dazu IIF-Direktor und Deutsche Bank-Vorstandsvorsitzender Ackermann:

“Was entschieden wurde, muss schleunigst umgesetzt werden.”

Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann leugnete auf dem Frankfurter Bankertreffen jede Verantwortung der Euro-Zentralbank für die Geldnot der Staaten im eigenen Währungsgebiet und versuchte, eine weitere Schöpfung so dringend benötigter Liquidität durch den Währungsdiktator zu vermeiden:

“Dass die bisherigen Versuche, die Krise zu lösen, nicht erfolgreich waren, rechtfertigt nicht, das Mandat der Zentralbank zu überdehnen und sie für die Lösung der Krise verantwortlich zu machen.”

Es war ausgerechnet der Spanier Jose Manuel Gonzalez-Paramo, der Weidmann beipflichtete, sich als ehemaliges Mitglied des Direktoriums der Zentralbank Spaniens und derzeitiges Mitglied im Direktorium der übergeordneten Frankfurter EZB dafür aussprach beim Sturz seines Heimatstaates tatkräftig mitzuhelfen und das SMP-Programm für den Ankauf von spanischen Anleihen nicht einzusetzen. “Unkonventionelle geldpolitische Maßnahmen” seien eben “keine Zauberformel”, so Gonzalez-Paramo.

Der größte anzunehmende Angestellte der Banken, Finanzminister Wolfgang Schäuble, kroch sogleich zu Füßen. Wohl wissend, daß die Geldnot der Staaten im Währungsgebiet Euro jederzeit durch simples Gelddrucken des Währungs-Diktators beendet werden könnte, versuchte er wieder einmal genau das mit aller Macht zu verhindern. Stattdessen forderte Schäuble auf der auf “Euro Finance Week” stattdessen wieder einmal den Staatsstreich gegen die Demokratien innerhalb der Euro-Zone, weil das alternativlos zur Bekämpfung der Schuldenkrise sei.

Die Eurozone müsse eine “Fiskalunion” bilden, also eine Schuldenunion. Die entsprechenden Veränderungen in den “EU-Verträgen” (genauer gesagt: in der angestrebten “Föderation” der 17 Staaten mit Euro-System) ließen sich“in weniger als 24 Monaten” (?!) bewerkstelligen (6). Das sind Fantasmagorien eines Gescheiterten, den keiner mehr ernst nimmt.

Der vor zwei Jahren auf der “Euro Finance Week” in Frankfurt von Josef Ackermann geforderte Fonds zur “Rekapitalisierung” der Banken auf “europäischer Ebene” ist fehlgeschlagen. (DIE GRIECHENLAND-KRISE (VI): Der Plan der Banken von einer europäischen Soffin, 9.Mai 2010)

Ebenso der über das Euro-System versuchte Staatsstreich gegen die europäischen Demokratien, der mit dem Putschversuch gegen das Grundgesetz steht und fällt. Die Wasserträger des Kapitals und seiner geostrategischen Kontrollmechanismen, die sich selbst “Pro-Europäer” nennen, haben bereits die “Europäische Union” aufgegeben. Nun soll ihr “Superstaat” der Banker und Plutokraten wenigstens über die 17 Staaten im Euro-Währungsgebiet reichen. (DER VERFALL DER “EUROPÄISCHEN UNION” (I) : Aufprall am Grundgesetz und radikaler Strategiewechsel,13.November)

Genau diese Situation wollten die Banker der Welt um jeden Preis vermeiden. Genau diesen Preis werden sie jetzt bezahlen.

Quellen:
(1) http://www.welt.de/wirtschaft/article13723368/Schaeuble-sagt-das-Ende-des-britischen-Pfunds-voraus.html
(2) http://www.faz.net/aktuell/finanzen/anleihen-zinsen/europaeische-zentralbank-obergrenze-fuer-anleihekaeufe-11532222.html
(3) http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,798481,00.html
(4) http://blogs.telegraph.co.uk/news/petermullen/100117608/the-founders-of-the-eu-were-trying-to-prevent-another-german-superstate-but-that-is-precisely-where-we-are-heading/
(5) http://de.reuters.com/article/economicsNews/idDEBEE7AH07X20111118
(6) http://www.net-tribune.de/nt/node/77894/news/Schaeuble-Fiskalunion-soll-Euro-stabilisieren

Quelle: http://www.radio-utopie.de/2011/11/18/wenn-das-begriffen-wurde/


Kleine Umschau: Marktumfeld und Wirtschaft


Wie man den Euro sicher umbringt: Ein Riss geht durch die Eurozone


Handelsblatt: Griechenland: Papademos will Athens Defizit massiv drücken

Die Presse: Ungarn kämpft wieder gegen die Staatspleite

FAZ: Europäische Zentralbank: Obergrenze für Anleihekäufe

Egghats blog: Wie viele Deutsche arbeiten eigentlich auf Mindestlohnniveau?

Blick Log: Die Zukunft des Banking und der unverstandene Paradigmenwechsel

Ökonomenstimme: Der Fluch der QEribik: Der realwirtschaftliche Einfluss von “Quantitative Easing”

Handelsblatt: US-Staatsverschuldung: Mit 15.033.867.390.294 Dollar in der Kreide

Wirtschaftswurm: Können die schwachen Eurostaaten von einer Euroinflation profitieren?

Ökonomenstimme: Eurobonds ohne staatliche Garantien

Gaertner’s Blog: Europas Finanz-Feuerwehr läuft das Wasser davon

egghats blog: Kapitalbedarf deutscher Banken nochmal verdoppelt?

Rott & Meyer: Pleite von MF Global: Das war noch nicht alles!

Kantoos Economics: Die unteren Klassen haben Griechenland geplündert?!

Firmen, Aktien und Anlagen

Handelszeitung: Motorola-Aktionäre wollen an Google verkaufen

Der Aktionär: Deutsche Börse und NYSE wollen Bedenken zerstreuen

ARD-Börse: BMW steigt bei SGL ein

FTD: Rosenkrieg der Autobauer: Suzuki setzt VW Scheidungsfrist

Handelsblatt: 15 Jahre Telekom-Aktie: Die ungebremste Enteignung der T-Aktionäre

Börse-Online: Edel – ein unerwarteter Dividendenhit

Wirtschaftsblatt: Finanzkrise bremst das Geschäft bei Rosenbauer

Die Presse: RZB braucht bis Juni 2,5 Mrd. Euro zusätzliches Kapital

FAZ: Vorvertrag über 230 Flugzeuge: Rekordauftrag für Boeing

Börse-Online: Dollar Tree haussiert weiter

Investors Inside: Wacker Chemie – stark gegen den Trend!

ARD-Börse: HeidelDruck: Keine Zukunft mit Manroland?

FTD: Defizitäre Fluggesellschaft: Air Berlin versinkt in Winter-Depression

Der Aktionär: Gigaset verdient deutlich mehr

ARD-Börse: Bei Wirecard glühen die Drähte

Börse-Online: Schnäppchenkurse bei Splendid-Medien

Wirtschaftsblatt: Voestalpine drosselt die Produktion – Aktie bricht ein

ARD-Börse: Glencore spürt nichts vom Abschwung – noch

Basic Thinking Blog: Google Music: Umsatzretter oder Totengräber der Musikindustrie?

Freitag, 11. November 2011

GegenLügen auch Wahrheit genannt!

Das OKW – Oberkommando der Währungshüter – gibt bekannt - Der bondiwistische Feind hat die Grenze zu Italien überschritten und bedroht derzeit die Südflanke des 1.000-billionigen Euro-Papiergeld-Reichs. Es wird befürchtet, dass Hedge-Fonds über der Ärmelkanal in das bislang EU-wehrhafte Frankreich eindringen könnten. Nach zuverlässigen Berichten der Euro-Abwehr berichtet Jean-Claude Juncker, dass diese Aktion unter dem Namen DM2-Day wohl der längste Tag für den Euro werden könnte.Für jeden getöteten Euro-Befürworter werden derzeit drei Anti-Euro-Partisanen standrechtlich vor Presse, Funk und Fernsehen hingerichtet. Bislang wurden diese Zwangsmaßnahmen nur an dem Islam-Eroberungs-Zersetzer Sarrazin erprobt. Aber auch ein Hans-Olaf Henkel, ein Frank Schäffler und ein Wolfgang Bosbach haben frühmorgens Angst, wenn es nicht der Milchmann ist, der an ihrer Tür klingelt. (bullionaer.de)

Merkel bekräftigt Staatsgarantie für Spareinlagen - Die Euro-Rettung kann nach Ansicht von Angela Merkel künftige Belastungen der Bundeshaushalte nach sich ziehen. Am Abend telefonierte die Kanzlerin mit US-Präsident Obama. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat vor dem Hintergrund der Euro-Krise ihre Zusage bekräftigt, dass die Spareinlagen der Deutschen sicher seien. „Das Wesen der Garantie ist, dass die Garantie gilt“, sagte sie der „Leipziger Volkszeitung“. (welt.de)

Deutsche Jugend – dumm, faul, wohlstandsfixiert - Fleißige Jugendliche gäbe es vor allem unter den Migranten: Der Investmentbanker und Buchautor Gerald Hörhan über bequeme junge Leute und zügellosen Konsum. Rebellion statt Anpassung, Party statt Powerpoint: Wer mit Gerald Hörhan spricht, muss sich auf provokative Äußerungen gefasst machen. Sein Lieblingsobjekt ist die Jugend, die er mit Sätzen verstört wie: „Europa hängt euch einen Schuldenberg um – und ihr seid selber schuld.“ (welt.de)

Die Angst vor dem Putsch auf dem FDP-Parteitag - Aus Furcht vor einem Aufstand der Basis hatte Minister Bahr die Absage des FDP-Parteitags erwogen. Ohnehin geht es vielen Liberalen nur noch um ihren Sitz im Parlament. Tatsächlich stellt sich die interne Sicht der Dinge anders dar. Bei einer Sitzung der Bundestagsfraktion gestand deren Chef Rainer Brüderle ehrlich ein, die Kompromisse mit der Union seien kein großer Durchbruch, sondern eben das, was eine durch Wahlniederlagen und dauerhaft schlechte Umfragen geschwächte Partei derzeit durchsetzen könne. (welt.de)

Ökonom Rogoff prophezeit reihenweise Zahlungsausfälle - Die am Wochenende durch Europas Staatsführer getroffene Vereinbarung, den Bailoutfonds EFSF nochmals zu erweitern, um die enorme Schuldenkrise der Region zu stemmen, kaufe letztendlich wieder einmal nur Zeit, da Griechenland trotz allem innerhalb der nächsten zehn Jahre aus der Eurozone ausscheiden werde, wie Harvard Ökonom Kenneth Rogoff erklärte. Darüber hinaus sprächen alle Anzeichen dafür, dass die Welt noch reihenweise mit Zahlungsausfällen konfrontiert werden dürfte, die nichts mit Griechenland zu tun haben. (wirtschaftsfacts.de)

Demokratie – das Volk darf mitbestimmen – wenn es zu spät ist - Der Schwenk des griechischen Premier Papandreou nun die Austeritätsmaßnahmen der Troika und die letzten Beschlüsse des Euro-Gipfels in Brüssel, die zu weiteren Sparmaßnahmen für die Griechen führen, durch das Volk legitimieren zu lassen oder eben nicht, beschleunigt den Einbruch an den Finanzmärkten, der auf den "Gipfelsturm" nach oben, in Hinblick auf die EFSF-Beschlüsse der Eurokraten folgte. Es ist immer das gleiche Spiel, nach einer kurzen Euphorie folgt die Ernüchterung und die Wette auf eine vermeintliche Rettung der Eurozone ist zum wiederholten Male an den Finanzmärkten Makulatur. Bis auf eine an den Finanzmärkten durch die Rettungspakete induzierte enorme Volatilität gibt es in der Sache keine Fortschritte. (querschuesse.de)

Euro Aus im November? Im Moment sehen wir den Untergang des Euro. Noch nicht als Währung durch Crash (das kommt auch bald), sondern als Gemeinschaftswährung. - Aus diversen Management-Etagen von Banken tönt es laut Insider-Informationen schon: Der Euro erlebt den November 2011 nicht mehr. - Wenn der Euro crasht, dann gibt es kein Limit beim Goldpreis mehr. (mmnews.de)

Fundamentaldaten: China weiter unter Druck - Die schlechten Nachrichten zur weltwirtschafts-Lokomotive reissen nicht ab. Der Immobiliensektor hat einen Schnupfen, die Schattenbankwirtschaft Fieber und der Einkaufsmanager-Index hat Durchfall. Langsam entwickelt sich das Krankheitsbild wirklich besorgniserregend. Wie lange China noch die Kraft besitzt den Karren zu ziehen, ist reine Spekulationssache. Die Gefahr jedoch ist immens. Wer diese unterschätzt, kann sehr schnell ein böses Erwachen haben. (infokriegernews.de)

Südperipherie mit gefährlich hohen offiziellen Arbeitslosenquoten - Heute veröffentlichte Eurostat die saisonbereinigten Arbeitslosenquoten für die EU17 und die EU27. In der Eurozone und in der EU27 stieg die saisonbereinigte Arbeitslosenquote im September 2011 um 0,1 Prozentpunkte zum Vormonat auf 10,2% bzw. auf 9,7%. Gravierend stellen sich die hohen Arbeitslosenquoten in den PIGS-Staaten dar. So stieg die offizielle saisonbereinigte Arbeitslosenquote in Portugal im September auf 12,5% (+0,1 Prozentpunkte), in Italien auf 8,3 (+0,3 Prozentpunkte) und in Griechenland, die mit ihrer monatlichen Datenerhebung immer hinterherhinken, stieg die Quote für Juli auf 17,6% (+0,5 Prozentpunkte, jeweils im Vergleich zum Vormonat)! Die höchste Quote in der gesamten EU erzielte Spanien mit 22,6% im September 2011, ein nochmaliger Anstieg von 0,4 Prozentpunkten zum Vormonat. (querschuesse.de)

Die Kanzlerakte - Was ist wirklich dran an der so genannten "Kanzlerakte". Demnach müssen Kanzler der Bundesrepublik Deutschland eine geheime Unterwerfungserklärung gegenüber den Allierten unterschreiben. Willi Brandt weigerte sich erst - unterschrieb dann aber doch. Erklärt die "Kanzlerakte" das merkwürdige Vorgehen in Sachen Euro-Rettung? Ist der Handlungsspielraum Deutschlands in Wahrheit begrenzt? (mmnews.de)

So rechnen sich Finanzhäuser reich - Am Ende gewinnt immer die Bank - Sie können es noch: Auch inmitten der ausufernden Staatsschuldenkrise und großer konjunktureller Unsicherheit präsentieren sich Finanzschwergewichte der Wall Street als Gelddruckmaschinen. Die Geldvermehrung ist aber nicht das Ergebnis guter Geschäfte. (teleboerse.de)

Der "Haircut" mal genauer betrachtet: Es sind nur knapp 30 statt 50 Prozent - und trifft die Rentner - Man kann sich die Schlagzeilen schon vorstellen: "Griechenland bekommt die Hälfte seiner Schulden erlassen!" Mal ganz davon abgesehen, dass die meisten Klardenker bereichts vorgerechnet haben, dass es mindestens 60, eher 70 Prozent hätten sein müssen, damit GR wieder eine Chance hat, auf die Füße zu kommen - es sind nicht mal wirklich 50 Prozent. Genauer hingesehen sind es 28 Prozent. Aber das klingt ja nicht so super. (simablog.eu)

USA: Das nächste Downgrade noch in diesem Jahr - Nach Auffassung von Bank of America Merrill Lynch wird eine weitere Ratingagentur noch in diesem Jahr den USA das Triple-A aberkennen. Grund: Die exorbitanten Schulden der Amerikaner und der fehlende Plan, sie langfristig abzubauen. (deutsche-mittelstands-nachrichten.de)

Geert Wilders will Rückkehr des Guldens prüfen - Der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders will mit einer Studie prüfen lassen, ob sich eine Rückkehr zum Gulden lohnt. Danach soll das Volk entscheiden. Die rechtspopulistische niederländische Freiheitspartei (PVV) will einen Ausstieg des Landes aus dem Euro untersuchen lassen. Geert Wilders von der rechtspopulistischen Freiheitspartei könnte sich grundsätzlich eine Rückkehr zum Gulden vorstellen „Die Regierung macht uns Angst, indem sie uns sagt, das Licht werde im Fall eines Austritts aus dem Euro erlöschen. Natürlich kostet das Geld, aber ich will wissen, ob eine Rückkehr zum Gulden uns am Ende nicht mehr bringt“, sagte der PVV-Chef Geert Wilders der Zeitung „Telegraaf“. (welt-de)

EZB hat bereits 970 Milliarden Euro in die Euro-Rettung gesteckt - Die EZB hat nach Berechnungen von JP Morgan bereits 970 Milliarden Euro zur Bekämpfung der Eurokrise eingesetzt. Entgegen allen Beteuerungen hat bereits eine dramatische Erhöhung der Geldmenge stattgefunden. Der Beitrag des IWF ist dagegen überschaubar. (deutsche-mittelstands-nachrichten.de)

Bisher war es primär für Banken, jetzt für Staaten. Rette sich, wer kann.

Die Krise, die alles möglich macht - Es ist so faszinierend wie beängstigend, welche Beschleunigungskraft Krisen innewohnt. Innerhalb von drei Jahren haben sich die Verhältnisse in der Europäischen Union schneller verändert als je zuvor. Das vereinigte, integrierte Europa ist Vergangenheit. Um es mit Joschka Fischer zu sagen: Vergesst diese EU. (sueddeutsche.de)

Samstag, 5. November 2011

Die Schlafmichel

Michael Winkler:

Ich werde immer wieder gefragt, wieso so viele Leute nicht sehen, auf welche Ereignisse wir zulaufen. Der Euro zerfällt, die Ersparnisse sind gefährdet, die politische Klasse verkommt immer mehr. Die politische Weltlage wird immer unsicherer, ob es nun stürzende Diktatoren sind oder neue Regime, die ihre Position erst finden müssen. Die EU hat ihre besten Zeiten hinter sich, was einmal eine großartige Idee der Völkerfreundschaft gewesen war, ist zu einem kostspieligen regelwütigen Beamtenmoloch verkommen, der sich zum Herrscher der Völker aufschwingen will.

Die Probleme im Inland sind so weit angewachsen, daß sie sich in die Aufmerksamkeit drängen: Die Infrastruktur zerfällt, unsere Straßen werden zu Schlaglochpisten, weil kein Geld vorhanden ist. Für andere Länder hingegen sind Hunderte Milliarden vorhanden. Deutsche laufen Gefahr, Minderheit im eigenen Land zu werden, trotzdem behaupten Politiker, wir müßten eine noch umfangreichere Willkommenskultur für Zuwanderer entwickeln. Mehr Migranten in den öffentlichen Dienst, mehr Migranten in Führungspositionen - dabei gibt es eine Institution, in der Migranten längst überrepräsentiert sind: Gefängnisse. Und das trotz des "Migrantenbonus", den unsere Skandal-Justiz so bereitwillig vergibt.

Wir haben die schwächste und prinzipienloseste Regierung seit Bestehen der Besatzer-Republik Deutschland. Regiert wird nicht zum Besten des Landes, sondern nach dem, was bei der nächsten Landtagswahl ein paar Stimmen mehr einbringen könnte. Wobei das, was den Bürgern zur Abstimmung vorgelegt wird, nichts mit dem zu tun hat, was die Gewählten danach beschließen. Wer wählt, gibt seine Stimme ab und hat fortan die Schnauze zu halten. Wer nicht wählt, handelt noch schlimmer, denn er stellt der Regierung damit einen Blankoscheck aus. Ich gebe zu, es kostet Überwindung, einer kleinen, chancenlosen Partei die Stimme zu geben, doch nur das ist ein klares Mißtrauensvotum gegen die Etablierten. Wenn plötzlich die NPD und die Tierschutzpartei, die ÖDP und die Partei Bibeltreuer Christen in die Parlamente einziehen und den Einheitsparteien die Mandate kosten, würde sich etwas ändern in diesem Land.

Die Zustände sind nicht nur offensichtlich, sie sind sogar offenkundig, weil jeder, der gefragt wird, eine Anzahl Punkte nennen kann, die im Argen liegen. Hin und wieder fallen Äußerungen wie: "Da hinten, da ist ein Wald, da stehen 100.000 Bäume, die reichen, um die ganze Bagage aufzuhängen!" Womöglich könnte dieser Wald den reichlich angebotenen Biodünger gut verwerten, doch allein in Berlin gibt es 286.000 Laternen - die genügen vollkommen.

Doch diese Wut tritt nur in Einzelfällen zu Tage, die meisten Mitbürger sind Schlafmichel, die gelassen hinnehmen, was mit ihnen angestellt wird. Das sind die Schafe, die sich willig treiben lassen, auf die Weide, zur Schur und ins Schlachthaus. Wenn man sie direkt anspricht, sie nach ihrer Befindlichkeit und ihren Erwartungen befragt, äußern selbst diese Leute Sorgen und Befürchtungen, doch sie ziehen daraus keinerlei Konsequenzen.

"Gold... Wär schon gut, welches zu haben, aber das ist doch schon so teuer geworden..." Kommt Ihnen diese Antwort auf einen guten Rat bekannt vor? Ja? Wer immer das sagt, er hat recht! Gold ist viel zu teuer geworden! Es war zu teuer, als der Krügerrand 334,- Euro gekostet hatte, es war zu teuer, als der Preis auf 480,- Euro gestiegen ist, es war bei 714,- Euro zu teuer und es ist heute, bei 1.300,- Euro zu teuer. Leider bekommt niemand 2011 das Gold zu den viel zu teuren Preisen von 2003. Doch damit kommen wir schon an die Einstellung der Schlafmichel heran.

Wir sind von der Natur mit Verdrängungsmechanismen ausgestattet worden. Das Knacken im Gebüsch könnte eine Gefahr bedeuten, das leise Brüllen eines weit entfernten Löwen hingegen gibt Sicherheit, da die potentielle Gefahr weit genug entfernt ist. Eine Rauchwolke am Horizont erfordert keine unmittelbare Reaktion, ein anfliegender Bienenschwarm hingegen schon. Wir bewerten ständig unsere Umgebung, doch zumeist tun wir die Signale als irrelevant ab. Wir können nicht im Zustand ständiger Alarmiertheit leben, wir leben im Schritt, um bei Bedarf auf Trab und Galopp hochschalten zu können.

Nehmen wir einen idealtypischen Normalmenschen, mit Acht-Stunden-Arbeitstag. Mit An- und Abfahrt, Mittagspause und abendlichem Einkaufen ist dieser Normalmensch zehn Stunden am Tag unterwegs. Eine Stunde geht für Aufstehen, Morgentoilette und Frühstück drauf, eine weitere Stunde fürs Abendessen, damit ist der halbe Tag weg. Ziehen wir acht Stunden Schlaf ab, bleiben vier Stunden zum "Leben".

Was packen wir in diese vier Stunden hinein? Das Feierabendbierchen, ein wenig Fernsehen, die Tagesschau, soziale Kontakte, Ausgehen, Kultur, Hobby, Freundin, Ehepartner, Kinder, Verwandte... Der Normalmensch ist ausgelastet, er ärgert sich über die Beißzange von Chefsekretärin, über den Dreckskerl von Betriebsleiter, sorgt sich um seinen Arbeitsplatz, um sein Auto, das heute erst beim dritten Versuch angesprungen ist, um Schmerzen im Kreuz, erste graue Haare, um die schlechte Note seiner Tochter, das blaue Auge seines Sohnes, um... Vier Stunden voller Alltagssorgen, da interessiert die Rauchwolke am Horizont wenig.

Speziell zum Gold: Der Bankberater, der besser "Anlagevertreter" heißen sollte, ruft Sie an, wenn Sie zu viel Geld auf dem Girokonto haben. Er wird Ihnen kein Gold verkaufen, denn Gold tragen Sie nach Hause und damit ist das Geld für die Bank verloren. Also schlägt er Ihnen Aktien, Fonds, Anleihen und sonstige Finanzprodukte vor. Und nach vier Jahren, wenn das angelegte Geld frei wird, ruft er wieder an, um dieses Geld neu anzulegen, für seine Provision. Sie brauchen nicht nachzudenken, eine Sorge weniger, es funktioniert wunderbar. 30% Gewinn sind doch großartig, oder? Mit Gold hätten Sie 300% erzielt, aber dafür hätten Sie selbst aktiv werden müssen, zur Bank gehen und darauf bestehen, daß Sie keine Lehman-Zertifikate, sondern runde Scheiben mit Ohm Krüger darauf haben wollen.

Kennen Sie "Nuts"-Schokoriegel? In der gelben Packung... Vermutlich ja, doch meistens übersehen Sie diese. "Mars"-Riegel hingegen, in der schwarzen Packung, die kennen Sie garantiert, weil - ja, weil dafür ständig geworben wird. Ihr Fernseher sagt Ihnen, Sie wollen Mars (die Dinger schmecken schließlich), er sagt Ihnen nicht, daß Sie Nuts wollen. Die vier Stunden Freizeit und Freiheit werden so gefüllt, Ihnen wird Bedarf eingeredet.

Die Werbung nützt einen Mechanismus, der ebenfalls tief in uns verankert ist: Wir übernehmen Meinungen von Artgenossen. Und das ist absolut sinnvoll! Wenn Ihre Kindergartenfreundin von einer Wespe gestochen wird, übernehmen Sie bereitwillig die Meinung, diese schwarz-gelben Tierchen besser in Ruhe zu lassen. Sie lernen von Ihren Eltern, Sie lernen von Ihren Freunden - und Sie lernen vom Werbefernsehen. "Die gute Botteram" habe ich zwar nie probiert, ich werde sie auch nie kaufen, aber dank Werbung in den sechziger Jahren weiß ich, daß es "die gute..." ist.

"Eingebaut" ist bei uns Menschen auch der Vertrauensvorschuß, zumindest gegenüber Menschen unserer eigenen Art. Wenn der Stammesgenosse meldet, "da hinten gibt es keine Büffel", hat es wenig Sinn, selbst dorthin zu reiten und nachzuschauen. Bei einem Indianer aus dem Nachbarstamm können wir schon nicht mehr so sicher sein, womöglich möchte der die Jagdbeute seinen eigenen Leuten sichern. Deshalb sind im Werbefernsehen radebrechende Migranten die Ausnahme.

Irgendwelche Wissenschaftler wollen herausgefunden haben, daß 80% der Menschen besorgniserregende Meldungen sogleich ausblenden. Dabei ist das nicht mehr als ein Überlebensmechanismus, denn wer sich ständig durch ferne, in der Regel verschwindende Gefahren ablenken läßt, kann sich nicht auf das Wesentliche, auf das Naheliegende konzentrieren. So sind die Menschen nun mal, damit müssen wir uns abfinden.

Ein zweiter Mechanismus ist die Delegation. Die meisten Menschen sind entscheidungsunsicher, sie wollen geführt werden. Das mag eine typisch deutsche Eigenschaft sein, daß die Leute gerne klare Anweisungen, eindeutige Vorschriften eine Befehlskette haben wollen. Wir trauen uns nicht, selbst mit den Geistern zu sprechen, dafür gibt es Schamanen. Wir trauen uns nicht zu entscheiden, was wo gebaut und mit wem Krieg geführt wird, dafür gibt es Häuptlinge. Im besten Sinne profitieren wir alle von der Erfahrung der älteren, bewährten Anführer, im schlechtesten Fall folgen wir dem, der sich am häufigsten geirrt hat.

Wir halten uns Abgeordnete, bezahlen sie dafür, daß sie sich informieren, daß sie nachdenken, daß sie weise Entscheidungen treffen - in unserem Namen. Acht Stunden, zehn Stunden, zwölf Stunden am Tag sollen diese Leute für uns arbeiten. Das tun sie natürlich nicht, genauso wenig, wie wir in dieser Zeit für Mayer & Co. arbeiten. Natürlich würde ich meinem Chef nie sagen, daß ich nicht dafür arbeite, daß es seiner verdammten Firma gut gehe, sondern dafür, daß es MIR gut geht. Wenn es für mich das Beste ist, daß Mayer & Co. gut dasteht, weil das meinen Arbeitsplatz, mein Einkommen und meine Karriere sichert, dann werde ich alles für Mayer & Co. tun, aus reinem Eigennutz.

Glauben Sie bloß nicht, daß Abgeordnete anders denken und handeln! Nicht die Bürger, nicht die Wähler stellen Politiker auf, sondern Parteien. Folglich sind die Abgeordneten nicht den Wählern, nicht dem Staat, sondern nur ihren Parteien verpflichtet. Doch das erschließt sich nur, wenn man ein paar Augenblicke darüber ehrlich nachdenkt. Wer das nicht tut, für den ist der Abgeordnete sein Vertreter, "unser" Mann in Berlin. Der Abgeordnete erklärt uns die Welt, er ist über alles informiert, redet überall mit - das ist die Fassade. Dahinter steckt ein Mensch, der so arbeitsscheu ist wie wir selbst, der nur das Nötigste tut und das, was ihm Spaß macht. Der Abgeordnete braucht keine Informationen, wenn er den Willen der Partei kennt, und hebt Pfötchen wie ein dressierter Schoßhund, ohne darüber nachzudenken.

Das naive Extrem geht davon aus, daß alle Anderen aus größerer Einsicht und edleren Motiven handeln als man selbst. Das paranoide Extrem unterstellt den Anderen bösartige Selbstsucht und generelle Unfähigkeit. Einem Menschen gegenüber, der uns noch nie enttäuscht hat, weil wir ihn nicht wirklich kennen, verhalten wir uns eher naiv, einem Menschen, den wir kennen und der uns schon enttäuscht hat, begegnen wir eher paranoid. Die Paranoia gegenüber den Regierenden müssen wir uns aufwendig erarbeiten, was jedoch sehr schwer ist, weil uns ständig eingeredet wird, wie gut, edel und aufopferungsvoll diese Herrschaften für uns handeln.

Der Schlafmichel hat keine Chance, sich aus diesen Verstrickungen zu befreien, solange er in seinem Alltagstrott verstrickt ist. Er wird zum Trottel, weil er sich aus seinem Trott nicht mehr lösen kann, weil eben dieser Trott für ihn funktioniert. Und jeder Verstand behält seine gleichförmig geradlinige Flugbahn bei, solange keine äußere Kraft auf ihn einwirkt. Anders als in Newtons Physik ist das kein Gesetz, sondern eine Beobachtung. Unter meinen Lesern sind viele Rentner und Hartz-IV-Empfänger, also Leute, die aus dem Trott herausgerissen worden sind. Genau wie ich auch, denn ich war bis Ende 2002 ebenfalls so ein Trottel mit ausgefülltem, sanft dahinfließendem Alltag.

Der dahintrottende Trottel wird aus seinem Trott geworfen, wenn das Schicksal den Knüppel schwingt. Wenn dem Knacken im Gebüsch das Brüllen eines Löwen folgt, nicht in weiter Ferne, sondern in bedrohlicher Unmittelbarkeit, dann wird gehandelt, dann fällt der Mensch vom Trott in den Galopp. Dann mag es allerdings zu spät sein. Wenn der gesättigte Löwe sich zurückzieht und die überlebenden Damen und Herren Trottel wieder in ihren Trott fallen können, wird oft noch schnell ein neuer Häuptling bestimmt, denn der alte Häuptling hat seine Aufgabe nicht erfüllt - er hat seine Wähler nicht vor Schaden bewahrt, nicht rechtzeitig den Löwen bemerkt.

Die Schlafmichel werden sich in Wutbürger verwandeln, wenn es zu spät ist. Das ist ein Lehrsatz, eine Beobachtung, denn genau genommen ist es bereits jetzt zu spät. Optimisten kaufen Gold, Pessimisten Konserven, hat die WELT kürzlich geschrieben. Das Anlagevermögen der Deutschen wird auf 4,8 Billionen Euro beziffert, bei 1.500 Euro pro Unze wären das 100.000 Tonnen Gold - von den bestenfalls 180.000 Tonnen, die bislang gefördert worden sind. Wenn jedoch alle Gold wollen, explodieren die Preise. Die Optimisten haben nur noch wenig Zeit für ihren Optimismus.

Was passiert mit Konserven? 5.000 Konserven pro Einkaufsmarkt (von Erbsen über Dosenfisch bis Ravioli), ein Einkaufsmarkt pro 1.000 Einwohner - fröhliches Einkaufen, und bringen Sie bitte auch genügend Klopapier mit! Die Pessimisten kommen nur zum Zug, wenn sie unauffällig vorgehen, wenn die Schlafmichel in ihrem Trott verbleiben. So zynisch es klingt: Jeder Tag, an dem die Mehrheit der Menschen weiterschläft, ist ein Tag, der Ihnen für die Vorbereitung geschenkt wird. Tun Sie es ruhig, solange sich keiner sonst dafür interessiert, nehmen Sie keinem etwas weg. Solange die Lieferketten noch funktionieren, können Sie Ihre Speisekammer füllen.

Welches Ereignis wird die Wutbürger auf die Straßen bringen? An dem Tag, an dem die Politik zugeben muß, daß die Lebensersparnisse vernichtet sind? An dem Tag, an dem die Politik zugibt, die Wähler jahrzehntelang betrogen zu haben? An dem Tag, an dem nach einer Hyperinflation die Währungsreform verkündet wird?

Die Politik wird den Trick mit dem gekochten Frosch versuchen. Angeblich springt ein Frosch, der in zu heißes Wasser fällt, sofort heraus. Wird der Wassertopf, in dem er sitzt, jedoch langsam erhitzt, bleibt er darin sitzen und wird gegart. Die Wahrheit wird den Schlafmicheln in kleinsten Dosen verabreicht, damit sie beruhigt weiterschlafen. Wären die Veränderungen, die zwischen 2001 und 2011 passiert sind, auf einmal über die Menschen hereingebrochen, sie wären sofort auf die Straßen gegangen. So aber ist der Frosch nicht aus dem Topf gesprungen, er wurde statt dessen gekocht.

Diesmal gibt es kein Happy-End, bleiben Sie bitte verzweifelt. Solange die Flamme unter dem Topf klein genug bleibt, solange die Veränderungen nur unmerklich geschehen, solange wird alles seinen gewohnten Trott beibehalten, selbst wenn wir in ganz andere Richtungen marschieren als früher. Der Rauch und das Löwengebrüll sind weit weg, reden uns die Häuptlinge ein. Weit weg sind jedoch nicht mehr fünf Kilometer, sondern nur noch 50 Meter. Aber keine Sorge, das Buschfeuer und die Löwen wollen nur ein wenig spielen.

So gesehen - seien Sie froh! Ein Buschfeuer wäre ärgerlich, denn dem können Sie trotz Vorsprung nur schwer entkommen. Löwen hingegen sind harmlos - solange genügend Beute zwischen Ihnen und den Löwen steht, sind Sie außer Gefahr. Kaufen Sie Gold, bevor die Schlafmichel dessen Preis zum Mond jagen, kaufen Sie Konserven, bevor die Schlafmichel die Regale ausräumen.

Wenn Sie diese Auskunft als unbefriedigend empfinden, habe ich ein Sprichwort für Sie: Des Menschen Wille ist sein Himmelreich. Ich habe 2002 selbst noch geschlafen, doch seit 2004 versuche ich, meine Mitmenschen aufzuwecken. Mitmenschen, die mir zum Dank dafür den Staatsanwalt schicken... Ich habe es an anderer Stelle schon gesagt: Es gibt drei Gruppen von Menschen. Die einen werden vor dem Zusammenbruch sterben, die nächsten im Zusammenbruch untergehen - und die dritte, die hat es am schlechtesten getroffen, denn auf sie kommt die Arbeit des Wiederaufbaus zu. Wer unbedingt zur Gruppe 2 gehören möchte, sollte das tun dürfen.

Michael Winkler